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Glacier-Express Brig - St. Moritz

Abfahrten Brig 10:25 - Chur 14:54 - an St. Moritz 16:55

Gestern Abend konnten wir im Restaurant noch draußen in der milden Abendluft essen, heute ist der Himmel von dicken Wolken verhangen. Ausgerechnet! Denn heute wartet der berühmte Glacier-Express auf uns. Er kommt aus Zermatt, der Stadt des Matterhorns, biegt ab in das Rhonetal und passiert Brig, wo wir jetzt zusteigen. Dazu müssen wir nicht etwa in den Bahnhof gehen, nein, der Glacier-Express fährt auf schmalerer Spur und findet sich  vor dem Bahnhof - zunächst meint man, hier hält die Straßenbahn. Wieder sitzen wir in einem Panoramawagen mit freiem Blick in alle Richtungen.

Der Zug ist voll besetzt mit Touristen, an unserem Tisch haben wir ein japanisches Paar als Nachbarn. Die Verständigung auf Englisch klappt leidlich. Ziemlich bald verengt sich das Rhonetal, auf der linken Seite ragen Berge in die Wolken - Gipfel können wir leider nicht sehen - dahinter liegt der Aletschgletscher. Mehrsprachig wird per Lautsprecher erklärt, was es zu sehen oder auch nur zu erahnen gibt.

Es zeigt sich, dass die Schweiz eisenbahntechnisch in verschiedene Regionen unterteilt ist, die jeweils eigene Eisenbahnen unterhalten mit eigenen Zügen, Schaffnern und Tarifen, wobei wir heute verschiedene Regionen durchfahren. Es erscheint der Schaffner zur Fahrkartenkontrolle. Ich zücke meine Euro-Domino-Karte, aber - sie sei hier ungültig, erklärt er mir. Wir befänden uns im Gebiet der Furka-Oberalp-Bahn, und die erkenne sie nicht an. Bis Disentis muss ich nachzahlen - 95 DM - ab da übernimmt die Rhätische Bahn und meine Karte gilt wieder. Dafür gewährt die Rheinschlucht fantastische Blicke, grün schimmert das Wasser an weißen Berghängen. Der Rhein, hier? War es nicht eben noch die Rhone? Es ist lange her, dass ich Erdkunde in der Schule hatte, und hier fließt tatsächlich der Vorderrhein.

 

 

Wir erreichen Chur, zwanzig Minuten Aufenthalt. Ein kurzer Blick auf den verglasten Bahnhof, dann rollt unser Zug weiter. Das japanische Paar ist ausgestiegen, wollte zurück nach Zürich, um am nächsten Tag nach Hause zu fliegen. Plötzlich stürzt der Japaner in unseren Wagen, ist völlig aufgelöst. Wir verstehen nicht, warum er offenbar wieder eingestiegen ist - hatte er etwas vergessen? Auf jeden Fall steht seine Begleiterin samt Gepäck in Chur auf dem Bahnsteig und er ist jetzt bei uns. Wir versuchen ihn zu beruhigen, sehen im Fahrplan nach, wann wir wieder halten - zum Glück in wenigen Minuten! Werner steigt mit ihm aus und erklärt dem nächsten Bahnbeamten, was geschehen ist, ich stehe in der Tür - nicht, dass die Fahrt jetzt ohne Werner weitergeht! Aber alles geht gut, aus Japan erreicht uns zwei Wochen später eine Mail, dass die beiden  noch rechtzeitig in Chur wieder zusammen gefunden haben.

Die Landschaft wird kurvig und waldreich. Dieser Streckenabschnitt gefällt mir besser als der bisherige! Bei Bergün dreht der Zug mehrere Schleifen im Berg, dann erreichen wir durch den Albulatunnel, den höchsten Alpentunnel in 1800 m Höhe, das Engadin und wenig später St. Moritz. Zur Touristen-Info im Bahnhof - schon haben wir ein Hotel gefunden! Ansonsten ist der Ort scheußlich: Es regnet, die Geschäfte haben schon geschlossen, und außer Boutiquen und Hotels finden wir nichts Sehenswertes.